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#5 Jonas & Marc – Es gibt keine Dropbears!

Das Intro klingt ab – Robert beginnt seine Moderation – Marc und Jonas fangen an, zu erzählen – die folgenden 59 Minuten verbringe ich auf einem anderen Kontinent und habe irgendwie KEINE Ahnung wer gerade redet! Nach 8 Monaten, die man zu zweit auf engstem Raum verbringt, ist das vermutlich unausweichlich. Ich weiß nicht, ob die beiden vorher schon Meister im Synchron-Lachen waren… jedenfalls sind sie es jetzt. Und das auch noch mit Ansteckungsgefahr! Wie würde man die Zeit in einem Land, das so schrecklich gebrannt hat und dann auch noch täglich mit demselben Gesicht vor beziehungsweise neben einem, denn auch besser überstehen, als mit Fröhlichkeit?! Sich da die Leichtigkeit nicht nehmen zu lassen, ist schon eine beachtliche Leistung. Aber dazu später mehr.

Diese zwei sympathischen Sommergesichter gehören zu Marc und Jonas. Beide sind 19 Jahre jung. Marc kommt aus Zehdenick, Jonas aus Barsdorf. Sie kennen sich seit der 7. Klasse, seit dem Abitur verstehen sie sich erst richtig gut und seit 8 Monaten ist ihre Freundschaft noch ein bisschen intimer, wenn ihr versteht, was ich meine😉

Homosexualität

Spaaaß, die beiden sind nicht schwul. Aber, wenn wir schonmal beim Thema sind, schreib ich euch gleich mal einen Beitrag über Homosexualität. Es soll ja nun in jedem Blogeintrag einen Abschnitt für benachteiligte Gruppen geben. Fangen wir mit dieser an. Der Begriff an sich bedeutet sowas wie Gleichgeschlechtlichkeit. Aber sind wir mal ganz ehrlich, da gehört so viel mehr dazu. Das heißt nicht einfach nur, dass man auf Menschen des gleichen Geschlechts steht (also Frauen auf Frauen und Männer auf Männer). Da steckt mehr dahinter. Ich kann nicht aus eigener Erfahrung sprechen und möchte mir deswegen eigentlich nicht anmaßen, hier irgendetwas zu definieren. Aber ich denke man kann es in etwa so ausdrücken: Letztendlich hat jeder Mensch, seine ganz eigene Art zu lieben und dabei macht es doch keinen Unterschied, ob es Frauen, Männer oder Menschen mit anderen Geschlechtern oder Sexualitäten sind. Der Unterschied kommt nicht von innen und ist nicht von den homosexuellen Personen ausgehend. Er kommt von außen und ist von Menschen gemacht, die intolerant und unsensibel sind. Homophobie nennt man das, wenn Leute Lesben- oder Schwulenhass hegen. Wobei dieser Begriff sehr problematisch und mittlerweile auch umstritten ist, da das Wort ‚Phobie‘ aus dem Altgriechischen stammt und wortwörtlich übersetzt ‚Angst‘ bedeutet. Es wird eigentlich nur als Bezeichnung für psychische Störungen verwendet, die sich durch irrationale Ängste ausdrücken. Weit verbreitet ist zum Beispiel Arachnophobie – die Angst vor Spinnen. Bei Homophobie handelt es sich meistens aber viel mehr um Abneigung, Ekel oder Hass. Das ist keine Angst, das ist einfach nur dummes, unaufgeklärtes und ungerechtes Verhalten. Homosexualität sucht man sich (im Gegensatz zu intolerantem Handeln) schließlich nicht aus. Selbst, wenn man in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem Homosexualität oder Eigenschaften, die mit Homosexualität verbunden werden, abgelehnt werden, liegt es doch an uns, unsere gelernten/abgeguckten/an uns weitergegebene Denkweisen ständig zu hinterfragen und umzuschreiben. Aber lassen wir doch lieber eine Person zu Wort kommen, die wirklich Ahnung hat!

Wilhelmine – Meine Liebe

Männerfreundschaften

Eine so enge Beziehung zwischen zwei jungen heterosexuellen Männern, wie Jonas und Marc sie haben, führt oft zu vorschnellen Urteilen Außenstehender. Viel zu oft machen sich auch heute noch Gerüchte darüber breit, dass jemand schwul sei. Dabei ist es toll, innige Männerfreundschaften zu erleben. Offene Kommunikation über Gedanken, Emotionen und Bedürfnisse lassen uns alle näher zusammenrücken. Gerade bei einer langen Reise müssen Bedürfnisse kommuniziert und Verständnis geschaffen werden. Zu erleben, wie junge Männer über toxische Männlichkeit hinaus- und zusammenwachsen, ist besonders schön. Aber bevor man sich auf so eine Reise begibt, muss die Chemie wohl erstmal stimmen. Bei Marc und Jonas ist das offensichtlich der Fall – sie sind ‚Freunde fürs Leben‘ geworden. Auch, wenn das nicht immer so war. Als die beiden sich in der Oberschule kennengelernt haben, war da noch keine gute Chemie. Jonas hat Marc damals sogar ein Stück weit ‚gemobbt‘. Erst beim Abi hats dann richtig gefunkt.

Anti-Packliste

Leider reicht bloße Chemie beim Verreisen nicht aus, es muss auch noch ganz einfache Physik beachtet werden – nämlich: Wie viel Zeug kann ich mitnehmen, wenn ich trotzdem noch alles in diesen blöden Rucksack bekommen möchte?! Dafür habe ich euch eine exklusive Liste zusammengestellt mit Dingen, die ihr unbedingt NICHT mit auf eine lange Auslandsreise nehmen solltet.

  • 2 Kubikmeter Feuerholz
  • Rollator der Großeltern
  • der Schokohase, der schon 2007 abgelaufen war
  • deinen Skianzug
  • eine Armbrust
  • ein geliehenes Tretboot aus dem Treptower Park
  • die 7 Harry-Potter-Bücher
  • einen Kasten Robby Bubble
  • den Setzkasten mit der Ü-Ei-Figuren-Sammlung
  • die Familienpackung Schnupftabak
  • ein Modell vom Eiffelturm aus Zahnstochern
  • 13 Paar FlipFlops
  • dein Deutschlandtrikot aus dem Jahr 1986
  • 3 Stileis für jeden
  • all deine Urkunden von den Bundesjugendspielen
  • eine Tonne Legosteine
  • die Treuepunktekarten von Netto, Ikea, der Bäckerei gegenüber und dem Döner nebenan
  • die Mundorgel von Oma
  • die 29 schönsten Gastgeschenke
  • das Englischbuch, das du nach der 2. Klasse vergessen hast, wieder abzugeben
  • der letzte Rest von deiner Blondierung
  • das Glas mit gesammelten Muscheln vom letzten Ostseeurlaub
  • einen dressierten Affen
  • geklaute Katzenmumien vom letzten Besuch im Naturkundemuseum
  • das Dino-Ausgrabungsset aus einer MickyMaus-Zeitschrift
  • das Tschibo-Sortiment vom Frühling 2014

Wie starte ich ein Jahr ins Ausland?

Aber was sollte man denn mitnehmen, wenn nicht das? Zum Beispiel ein kleines Startkapital. 3000-6000€ sind da erfahrungsgemäß schon ganz gut. Ob man die nun durch harte Arbeit oder den Verkauf seines Motorrads auftreibt, ist ja letztendlich auch egal – Hauptsache cash! Sonst erwartet euch das gleiche Schicksal wie unsere zwei tapferen Freunde… DER LOW-BUDGET-URLAUB… kein Alkohol, wenig Empfang, wenig Sprit. Na gut, das kann euch schnell auch mal mit einem höheren Startbudget passieren. Also obacht! Obwohl, eigentlich klang das bei Jonas und Marc ziemlich gut, um nicht zu sagen traumhaft. Berge, Wasserfälle, weite Strände, Gitarrenmusik und Hausbesetzung bei anderen Reisenden? Mega nice! Da fällt mir ein: Wer in Großstädten einfach keine bezahlbare Wohnung findet, haltet mal Augen und Ohren nach Wohnprojekten offen. Die heißen meistens auch ‚Zecken‘ sehr gerne willkommen😉 Auf dieser Seite hier findet ihr so einige tolle Projekte.

https://www.syndikat.org/de/projekte/

Aber gut, wir wollen ja eigentlich nicht sesshaft werden. Wir wollen raus! Wir wollen weg! Mit relativ wenig Geld hat man da verschiedene Optionen. Sehr beliebt wegen der Vielseitigkeit ist das sogenannte ‚Work & Travel‘. Also arbeiten und reisen, ähnlich wie Jonas und Marc das grade machen.

Hier gibts alles wichtige auf einen Blick!

Wenn ihr ganz genau wisst, dass ihr keinen Bock auf Knoblauch zupfen habt, ist ‚AuPair‘ vielleicht eine bessere Alternative. Das ist quasi Kinderbetreuung im Ausland. Wer Bequemlichkeit will, ist hier genau richtig. Man verbringt die Zeit nämlich meistens nicht mit Rumreisen, sondern bei einer Gastfamilie.

Wer wiederum das Abenteuer liebt, könnte es mit WWOOFing probieren. Die Abkürzung steht für ‚WorldWide Opportunities on Organic Farms‘. Das ist eine Bewegung mit knapp 500 ökologischen Bauernhöfen und Selbstversorger*innen in Deutschland und weltweit noch sehr viel mehr. Das Abenteuerliche daran ist, dass es um einen geldlosen Austausch geht – also zum Beispiel Arbeit im Tausch für Kost & Logis. Um Höfe zu finden, gibt es verschiedene Apps, die man nutzen kann. Die Idee dahinter ist, eine nachhaltige globale Gesellschaft aufzubauen.

Du studierst schon und ärgerst dich jetzt, dass du deine Chance verpasst hast? Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen! Es gibt doch auch noch das Auslandssemester🎉 Darüber informiert ihr euch am besten an eurer Uni oder Fachhochschule oder macht es wie ich und fragt euren Freund und Helfer. Ääääh, ich meine Google.

Englisch Skillzzz

Und wie bereitet man sich sonst so darauf vor? Ein richtiger Pro-Tipp ist, sich ein paar gute englische Sätze zurechtzulegen, die man für die ersten Begegnungen vielleicht braucht. Leider trifft man nämlich nicht immer direkt auf Westdeutsche – wobei die ja auch irgendwie manchmal eine andere Sprache sprechen. Trotzdem hier jetzt, nur für den äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass ihr nicht gleich auf deutsche Touries trefft, ein paar der wichtigsten englischen Fragen und Sätze für das erste internationale Aufeinandertreffen.

  • Can you say that without an accent?
  • Where can I buy a dictionary?
  • Help! I’m lost!
  • Where can I buy a T3?
  • Do you speak german?
  • Could I please work somewhere where there is no garlic?

Knoblauch – Bester Lauch!

Doch auf einer Knoblauchfarm gelandet? Nicht so schlimm, der ist doch lecker! Außerdem ist das die perfekte Gelegenheit, eure Selbstdisziplin zu verbessern. 10-Stunden-Tage bei Saunatemperaturen… halb so wild, wenn man danach was mit Knoblauch kochen kann. Da zahlt sich die Arbeit aus. Vor allem, wenn einem durch zusätzliche unbezahlte Arbeit ein Corona-Unterschlupf angeboten wird. Ich muss ja zugeben, dass der gute erste Eindruck, den ich von Jonas und Marc bekommen habe, schon erstmal etwas enttäuscht wurde, als ich gehört habe, dass die beiden durch Waldbrandgebiete gekommen und ohne zu helfen einfach weitergezogen sind. Aber dann habe ich über mein Urteil nachgedacht und ich möchte es gern revidieren. Vermutlich sind die beiden nicht ‚einfach‘ weiter, sondern haben ihre Reise schon eher schweren Herzens fortgesetzt. Ich erinnere mich, wie sehr mich die Bilder mitgenommen haben und ich habe nur Bilder gesehen, keine niedergebrannten Flächen unmittelbar um mich herum. Ich denke, da kann man sich schnell hilflos, überfordert oder überwältigt fühlen. Ich verstehe es mittlerweile, wenn man sich nicht zu jeder Held*innentat berufen fühlen kann, sondern darauf vertraut, dass man seinen Platz schon findet. Und sei es das Feld, mit dem restlichen Garlic, den sonst keiner mehr rupfen will. Das Geben und Nehmen existiert also doch noch – nach meinem Gefühl sogar wieder immer mehr. Meist in der Familie, oft unter Freund*innen und manchmal eben auch unter Fremden. An dieser Stelle eine Musikempfehlung mit einem sehr süßen Text: ‚(…) die Liebe, die du gibst, das ist die Liebe, die du kriegst‘.

Gisbert zu Knyphausen – Das Licht dieser Welt

Tinder

Apropos Liebe – jo mal wieder eine krasse Überleitung – was haltet ihr eigentlich von Tinder? Einige finden sich bestimmt grad schon in einem Lachanfall wieder… Die Wörter ‚Tinder‘ und ‚Liebe‘ in einem Satz. Witzig. Für alle, die es nicht kennen: Tinder ist eine Dating-App, die weniger für Dates, als viel mehr für Verabredungen zu unverbindlichem Sex, bekannt ist. Sie ist bei vielen für ihrer Oberflächlichkeit verpönt. Magst du die Bilder von jemandem – swipe rechts. Magst du sie nicht – swipe links. Aber das ist nur eine Betrachtungsweise. Ich glaube es kommt auf die Nutzer*innen an. Klar gibt es Menschen, die nur nach den Fotos wählen. Aber es soll tatsächlich auch Leute geben, die sich die Texte unter den Bildern der anderen durchlesen. Und klar gibt es Menschen, die auf der Plattform nur nach Sex suchen (was keinesfalls verwerflich ist Leute! Gönnt euch, solange ihr niemanden verletzt!). Aber es soll wirklich, echt jetzt, auch Personen geben, die nach Beziehungen suchen oder sogar nach Freundschaften. Und ich bin eine davon, stellt euch das mal vor. Ich glaube es ist oberflächlich, Tinder als oberflächlich zu bezeichnen. Schaut mal hinter die Kulissen😀

https://tinder.com/

Autarkie

Jonas und Marc haben es erkannt: Jede*r hat seine/ihre eigene Art, glücklich zu sein. Das gilt beim Thema Dating, Romantik, Sex und dergleichen genau wie beim Wohnen. Du kannst mit einer Villa natürlich das beste Leben haben, aber auch mit zwei Caravans, ein bisschen Blech und etwas Holz. Genau wie du mit beiden Lebensweisen unglücklich sein kannst. Probiers doch einfach mal aus. Und wenn du noch nicht bereit bist für dein Leben in der Wildnis, hab ich ein tolles Buch für dich, in dem du erfährst, wie andere ihre Zeit fernab von der Gesellschaft, wie wir sie kennen, erleben. Natürlich nicht unbedingt bei Amazon bestellen, sondern lieber in der nächstgelegenen Buchhandlung! #lokalkaufen

Jan Grossharth – Vom Aussteigen & Ankommen
Besuche bei Menschen, die ein einfaches Leben wagen

20 Gründe auszuwandern

  1. weil du die Nudeln, die deine Eltern gehamstert haben nicht mehr sehen willst
  2. weil der Rasen im Garten des Nachbarn immer grüner ist als deiner
  3. weil Saft verschüttet wurde
  4. weil wieder mal ein Politiker mit Lobbyismusvorwürfen konfrontiert wird
  5. weil Mutti deine Wäsche nicht mehr wäscht
  6. weil der Präsident schon wieder was Dummes getwittert hat
  7. weil wegen Deutschland
  8. weil die Klopapierrolle falschrum hängt
  9. weil du bei MarioKart gegen ein Huhn verloren hast
  10. weil du die Katzenmumien im Naturkundemuseum gegen lebendige mongolische Rennmäuse austauschen wolltest
  11. weil dein Nachbar die Karpfenbratwurst erfunden hat
  12. weil die Hafermilch bei REWE ausverkauft ist
  13. weil du dabei erwischt wurdest, einen geheimen Tunnel aus der Lampenabteilung im Hornbach zur Area-51 zu graben
  14. weil die Fahrradwege hier nicht 6-spurig sind
  15. weil sich dein Perlenvorhang vorm Bad zum tausendsten mal verheddert hat
  16. weil das Sternburg-Radler schon wieder 8 Cent billiger geworden ist
  17. weil dein Kieferorthopäde ausgewandert ist und du ihm jetzt hinterher reisen musst
  18. weil du Goodbye-Deutschland gesehen hast und jetzt auch eine Frittenbude auf Mallorca eröffnen willst
  19. weil dein Lieblings-Intimwaxingstudio geschlossen hat
  20. weil du hier kein*e Partner*in gefunden hast

Tja wir Deutschen haben das unglaubliche Privileg, einfach auswandern zu können, zu reisen, uns frei zu bewegen. Wir sollten uns dessen öfter bewusst werden. Viele haben es da schwerer. Und auch hierzu habe ich eine Songempfehlung. Und zwar von einer Brandenburger Band, die sich mittlerweile leider aufgelöst hat, aber einige Lieder hinterlassen hat, die nicht nur Spaß machen, sondern auch Tiefgang haben.

Kælla – Pass

Marihuana vom Waldgott in Tasmania

So uuuuungefähr gehts von Deutschland nach Australien…
…und so gehts dann weiter nach Tasmanien.

„Wenn man was lernen möchte für sich und wenn man sich vielleicht auch besser kennenlernen möchte, ist es einfach am besten, seine Komfortzone mal zu verlassen.“

Marc Henning & Jonas Klessny

Und so hat Jonas und Marcs Reise begonnen, natürlich zusätzlich mit ganz viel Glück, jugendlichem Leichtsinn und ohne Plan. Und sie haben nicht nur sich selbst und sich gegenseitig besser kennengelernt, sondern auch ihre Familien und ihre Freund*innen – und sogar einen Waldgott. Oder einen Grasgott, je nachdem, wie man ihn nennen will, den alten Mann im Wald mit dem Zelt, dem Kassettenrekorder, der Angel und dem Marihuana.

Es gibt übrigens noch keinen bestätigten Todesfall durch eine THC-Überdosis, durch Alkohol hingegen sterben jährlich ca. 3 Millionen Menschen weltweit (74.000 Deutsche) und durch Tabak verursachte Todesfälle, gibt es jährlich sogar 6 Millionen weltweit (110.000 in Deutschland).

Erstmal ein kurzer Crash-Kurs für alle, die sich nicht auskennen: Marihuana sind getrocknete Blüten der weiblichen Hanfpflanze, auch Cannabis genannt. Haschisch ist zwar auch ein Cannabisprodukt, besteht aber aus dem gepressten Harz der Pflanze. THC ist der Wirkstoff. Der THC-Gehalt ist entscheidend und kann bei den verschiedenen Sorten ganz unterschiedlich ausfallen. Er liegt zwischen einem und 30%, im Durchschnitt aber zwischen 12 und 17%. Auch wenn bisher niemand durch THC ums Leben gekommen ist, ein höherer Wirkstoffgehalt erhöht das Risiko für Angst- und psychoseähnliche Zustände. Weitere negative Auswirkungen, die auftreten können sind Schlafstörungen, Einschränkungen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit, ein erhöhtes Unfallrisiko, Depressionen und soziale Beeinträchtigungen, außerdem ist es schlecht für die Atemwege. Vor allem bei täglichem Konsum, kann es der Gesundheit schaden. Eine körperliche Abhängigkeit kann nicht entstehen! Eine psychische hingegen schon. Oft wird Cannabis konsumiert, um Stress zu verringern. Eine gute Problembewältigungsstrategie ist das aber nicht, da durch den Konsum nur kurzzeitig Wahrnehmung, Gefühle, Denkmuster und Körpererleben stimuliert werden, die Probleme an sich dadurch aber nicht gelöst werden. Und wenn doch, kann das dazu führen, dass es irgendwann nicht mehr ohne den Konsum möglich zu sein scheint. Ein weiteres Risiko stellen Streckmittel dar. Häufig wird Marihuana mit Glas, Sand, Haarspray, Blei oder Brix (das ist eine Flüssigkeit, die aus Zucker, Hormonen und flüssigem Kunststoff besteht) gestreckt. Das kann dann zu Bleivergiftungen und bei den meisten anderen Streckmitteln eher zu schleichenden Vergiftungen führen – Betroffene berichten auch immer wieder von unmittelbaren Auswirkungen, wie chronischer Bronchitis und anderen Problemen mit den Atemwegen (‘dauerverschleimt’ oder ‘Atypische Lungenentzündung’).

Uff, das war jetzt erstmal viel Negatives… Die Streckmittel dürften für die Gesundheit der Konsumenten aber insgesamt eine größere Gefahr darstellen, als der Cannabiskonsum an sich. Ich bring das mal trotzdem noch zu Ende. Vor allem das Einstiegsalter ist für die Gesundheit signifikant. Grade zwischen 15 und 17 Jahren ist das Gehirn nochmal in einer besonderen Entwicklungsphase – die Hirnaktivität in diesem Altersbereich unterscheidet sich sowohl von Erwachsenen, als auch von jüngeren Personen. Das Gehirn organisiert sich in diesem Zeitraum nochmal ganz neu. Das ist verbunden mit einer vorübergehenden Phase der Destabilisierung. Wenn Jugendliche nun also in diesem Zeitraum konsumieren, trägt das zu einer suboptimalen Organisation bestimmter Hirnareale bei. Ihr könnt das hier auch gerne nochmal genauer durchlesen.

https://www.drugcom.de/topthema/hirnveraenderungen-durch-fruehen-einstieg-in-das-kiffen/

Dennoch möchte ich an dieser Stelle auf eine interessante Liste hinweisen – die Liste der 20 gefährlichsten Drogen. Sie setzt sich aus dem Mittelwert von drei Kategorien zusammen: Gesundheitsgefahr, Suchtpotenzial und soziale Folgen. Auf dieser Liste befindet Cannabis sich auf Platz 11 – gutes (beziehungsweise schlechtes) Mittelfeld. Um das besser einordnen zu können, möchte ich hier noch die Plätze von Tabak und Alkohol aufführen. Tabak ist auf Platz 9 gelandet, Alkohol hat sogar den 5. Platz erreicht.

https://rp-online.de/leben/gesundheit/news/die-20-gefaehrlichsten-drogen_iid-8740701#13

Zwei Drogen, die in Deutschland legal sind, sind nach den Parametern dieser Liste gefährlicher als Cannabis! Das ruft eine damit verbundene Debatte um die Legalisierung von Gras herbei, die ich persönlich unterstützen würde, da sie viele Vorteile mit sich bringt. Mit der Legalisierung könnte der Staat die Einfuhr, die Qualität und den Verkauf von Marihuana besser kontrollieren – was das Problem Streckmittel aus dem Weg räumen würde. Der Verkauf wäre nur an volljährige Konsumenten legal und es könnte vor dem Kauf Aufklärungsgespräche geben. Außerdem würde die Entkriminalisierung Polizei und Gerichte entlasten.

Cannabis wird übrigens, aufgrund seiner schmerzlindernden, muskelrelaxierenden, angstlösenden (und noch ein paar mehr, recherchiert einfach mal) Wirkung immer häufiger als Arzneimittel angewandt – zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, Multiple Sklerose, Tourette-Syndrom oder ADHS.

Ich will das hier niemandem schön reden. Jede Droge hat negative Folgen und ich wünsche euch allen, dass euer Leben auch ohne schön genug ist! Ich will mit diesem Abschnitt nur die Haltung derer ankratzen, die Cannabis verteufeln, genau wie die Haltung derer, die es heilig sprechen. Konsumiert mit Bedacht, nicht zu regelmäßig und wenn dann mit Genuss. Leute passt einfach auf euch auf!

Und weil es in diesem Blogeintrag noch nicht genug Musikempfehlungen gibt, hier noch eine aus Australien. Amyl and the Sniffers ist eine Punkband aus Melbourne mit einer fantastisch ausgeflippten Leadsängerin.

Amyl & the Sniffers – I’m not a Loser

Kommt aus euch raus und aus eurer Komfortzone, nehmt all euer Glück zusammen und denkt immer daran: Es gibt keine Dropbears!

Eure Luise & Team