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#4 Anastasia über ihre Arbeit in der Jugendhilfe & Anna die Ananas

Wir sprechen viel über unsere Sorgen während dieser Pandemie. Oft vergessen wir dabei das Leid anderer. Und dabei meine ich nicht mal die Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern ausharren müssen. Oder die Menschen, die gerade in Amerika, aber auch in allen anderen Teilen dieser Welt aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert und sogar getötet werden. Das Leid findet man manchmal direkt vor seiner Nase – auch hier in Brandenburg.

Mit Anastasia haben wir über das Leid der Kinder und Jugendlichen gesprochen, die diese Zeit nicht Zuhause verbringen können. Neben dem Psychologiestudium, arbeitet sie in einem Kinderheim in Alt Ruppin und erlebt dort täglich, wie benachteiligte Kinder es durch Covid-19 noch schwerer haben als sonst.

Anastasia ist 21 Jahre alt und wohnt in Neuruppin. Sie ist trotz der vielen Arbeit, die sie verrichtet ein so fröhlicher, aufgeweckter Mensch, wie man ihn selten trifft. Oder vielleicht ist es auch gerade wegen ihrer Arbeit. Sie steckt ihre Energie ins Studium, in die Arbeit im Fitnessstudio und natürlich in die Jugendhilfe. Hier ist sie momentan im vollstationären Bereich eines Kinderheims in Alt Ruppin tätig. In unserer vierten Podcastfolge berichtet sie uns davon, wie ihre Arbeit momentan abläuft und wie Kinder und Jugendliche den Lockdown erleben. Im vollstationären Bereich waren die Kinder wie eingesperrt. Besuche bei den Eltern oder Freund*innen blieben aus. Selbst kleine Aktionen außerhalb des Geländes waren verboten. Anastasia war also mit viel Wut und Traurigkeit konfrontiert.

„Wir als Erwachsene müssen auf die Kinder eingehen und auch versuchen, zu verstehen, was es heißt in dieser Zeit auf Freunde zu verzichten, auf Hobbies, auf Leidenschaften, auf alles, was einen praktisch ausmacht, was zur sozialen Identität gehört.“

Anastasia Schraps

Das bedeutet viel Verantwortung für die betreuenden Personen. Diese hat man, wenn man mit Kindern arbeitet natürlich immer, aber in einer Ausnahmesituation wie dieser, braucht es noch viel mehr Unterstützung und Zuwendung. Die gibt man Kindern und Jugendlichen am besten durch intensive Gespräche, vor allem durchs Zuhören und Hinhören – wie fühlen sie sich momentan, was macht ihnen Angst oder Schwierigkeiten, was könnte ihnen jetzt gut tun? Die Erfahrungen, die Anastasia gemacht hat zeigen, dass Bewegung oft ein gutes Ventil darstellt. Hier in Brandenburgs ländlichen Regionen ist das durch große Grundstücke und Gärten wahrscheinlich leichter realisierbar, als in Großstädten, wie beispielsweise Berlin.

Rucksack-Regal-Metapher

Trotz aller Probleme, die die Jugendarbeit mit sich bringt, ist es wichtig einen gewissen Abstand zu wahren und zu verstehen, dass man die Kinder nicht retten kann, aber sie so gut wie möglich bis zu ihrem Erwachsensein zu begleiten. Hierfür hat Anastasia eine schöne Metapher, die man vielleicht sogar als Methode bezeichnen könnte, wenn man sie aktiv anwendet. Ihr könnt euch das wie eine Reise vorstellen, zu der jede*r einen Rucksack dabei hat. Dieser Rucksack ist anfangs leer und ganz leicht, so starten wir ins Leben – ohne, Erfahrungen, ohne Vorurteile, ohne Traumata. Auf unserem Weg sammeln wir schöne Erinnerungen, die unterschiedlichsten Erfahrungen, interessante Begegnungen und so füllen wir unsere Rucksäcke und egal ob schlimme oder tolle Erlebnisse, wir tragen immer mehr mit uns rum, die Last auf den Schultern wird immer schwerer, jeder Schritt, den wir gehen wird ein bisschen anstrengender, bis wir irgendwann stehen bleiben müssen und nicht weiter vorankommen. Dann müssen wir tief Luft holen, unser Lebensgepäck abstellen, etwas von seinem Inhalt herausnehmen und in ein Regal packen, damit wir unseren Weg leichteren Schrittes weitergehen können. Ich empfinde es als einen sehr schönen Gedanken, Ballast zwar abzuwerfen, ihn aber nicht für immer verloren zu haben, sondern jederzeit anhalten zu können, um mal wieder einen Blick ins Regal zu werfen, vielleicht etwas daraus wieder mitzunehmen oder sich nur über all das Vergangene zu freuen, weil es eben vergangen ist.

Dem Ärger und der Wut, die durch Langeweile oder andere viel schwerwiegendere Probleme sichtbar werden, durch Sport Luft machen, ist jedenfalls (egal ob draußen im Garten oder in der Wohnung) eine großartige Technik, da einem Gespräche manchmal auch einfach zu Kopf steigen können. Das gilt vor allem für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen wie Lernstörungen, Autismus, chronische Krankheiten u.s.w., die meist einem sehr hohen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt sind, sich anzupassen. Sicher steht jeder junge Mensch vor dieser Herausforderung. Der Unterschied ist, dass dem/der einen es leichter und dem/der anderen es schwerer fällt, diese zu bewältigen.

LGBTQIA*

Abgesehen davon stellt sich mir sowieso die Frage, wie gesund es für uns ist (und dabei schließe ich alle – junge, alte, weibliche, männliche, homosexuelle, bisexuelle, intersexuelle, asexuelle, transgender, genderqueere, nicht-binäre, schwarze Menschen, Menschen mit Behinderungen und alle anderen Gruppen, die ich nicht genannt habe – mit ein) ständig und überall darauf bedacht zu sein, sich anzupassen. Vom Klang her keiner meiner schönsten Sätze, aber es ist mir wichtig, diese Aufzählung gemacht zu haben, da vielen der genannten Menschen nicht die Aufmerksamkeit gewidmet wird, die ihnen zusteht – einige haben von manchen vielleicht noch nicht einmal gewusst, dass es sie gibt.

Nehmt euch die Zeit und recherchiert mal. Beschäftigt euch mit der LGBTQIA* Bewegung, wenn ihr davon gerade zum ersten mal hört oder nicht so viel darüber wisst, wie ihr vielleicht gerne wissen würdet! Oder soll ich die Recherche-Arbeit übernehmen? Soll es einen extra Blogeintrag geben, der all jenen gewidmet wird? Oder lieber in jedem Beitrag einen Abschnitt über Personen einer dieser Gruppen?

Anastasia hat über ein Bewusstsein gesprochen, das sich in uns allen entwickeln muss, wenn wir als Gesellschaft das Leben für uns verändern wollen. Es ist toll, dass sie sich dabei an jede*n einzelne*n von uns gerichtet hat, denn hierbei kann man keine Unterschiede machen. Wir sind alle dazu aufgefordert, darüber nachzudenken, wie wir uns anderen gegenüber verhalten, was wir tun, was wir sagen, wie wir es sagen, was das bei der/dem anderen auslösen könnte. Und dabei spielt es gar keine Rolle, welchen Hintergrund die anderen haben, welches Geschlecht, welches Alter, welche Sexualität oder Hautfarbe. Wir sollten immer darauf bedacht sein, uns gegenseitig Gutes zu tun und uns wertzuschätzen. Dann wird auch die Frage nach der Anpassung in den Hintergrund rücken. Wenn jede*r sich akzeptiert fühlt und wertvoll, wird es nicht mehr nötig sein, auf Unterschiede hinzuweisen.

Smalltalk

Leider klappt es manchmal nicht immer so gut wie mit Anastasia, direkt in tiefere Themen einzusteigen. Da gibts so nervige Fragen, wie: „Wie gehts dir? Wo kommst du eigentlich her? Was machst du so?“ und viele weitere, die man schon x mal gehört hat. Aber Smalltalk ist nicht nur schlecht. Schließlich will man ja auch irgendwie neue Leute kennenlernen. Das geht mit leichten Themen meist irgendwie einfacher, denn viele mögen es nicht so gern einer fremden Person, gleich die persönlichsten Dinge anzuvertrauen. Zumindest nicht, wenn man ganz direkt danach gefragt wird. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich mich selber langweile und mich frage, wieso Menschen mich überhaupt mögen, einfach weil ich mich selber schon so oft sagen hören hab: „Ja, mir gehts gut. Ich komm aus Lindow, das ist ein kleiner Ort in Ostprignitz Ruppin. Ich arbeite an einer Schule mit Berufsorientierungsklassen… blablabla.“ Fragt mich mal was neues! Mit diesen Fragen wird Smalltalk interessanter, witziger und führt vermutlich etwas schneller und trotzdem ganz natürlich zu einem tiefergehenden Gespräch.

  • Welche ist deine Lieblingsnuss?
  • Was ist das tollste Kompliment, das du mal bekommen hast?
  • Was magst du an deinem Leben gerade am meisten?
  • Kannst du mir ein gutes Buch empfehlen?
  • Wenn du Diktator wärst, welches Gesetz würdest du erlassen?
  • Welcher ist der nervigste Song, den du jemals gehört hast?
  • Hat deine Familie ein Rezept, das früher immer gekocht wurde?
  • Flunkyball oder Bierball?
  • Welcher war der letzte Ort, an den du gereist bist?
  • Hättest du Tipps, was ich meinem Vater zum Geburtstag schenken könnte?
  • Welche Sportart findest du am schlimmsten?
  • Lieber abwaschen oder abtrocknen?
  • Was magst du an dem Ort, an dem du aufgewachsen bist, am meisten?
  • Kannst du Socken stricken?
  • Was ist deine Lieblingssuperkraft?
  • Wenn du einen Kurs an einer Uni unterrichten könntest, worum würde es gehen?

Ihr werdet euch einfach nur freuen, wenn ihr die Überraschung in den Gesichtszügen der anderen seht und dann beobachten könnt, wie sie erstmal nachgrübeln! Es ist so ein tolles Gefühl, anderen Anregungen zu geben. Und das beste ist (das ist mir selber auch schon oft passiert): Man selbst denkt auch nochmal anders nach, geht in Gedanken neue Wege und kommt auf einmal in Ecken des Gehirns, kramt Erinnerungen aus, von denen man lange nicht wusste, dass sie noch existieren.

Welche der Fragen würdet ihr wirklich stellen? Und wie wären eure Antworten, wenn ich euch diese Fragen stellen würde? Hinterlasst gerne einen Kommentar, schreibt uns per Mail oder bei Instagram!

Mantra

Ihr wollt abgesehen vom ‚Smalltalkwahnsinn‘ noch andere alte Gewohnheiten und Denkmuster durchbrechen? Da gibt es viele verschiedene Optionen. Eine zum Beispiel, um negatives Denken zu verringern, sind Mantras. Wichtig dabei ist, vermeintlich negative Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern sie zuzulassen und möglichst nicht als negativ einzuordnen (ich glaube negative Gefühle existieren nur, weil wir sie als solche bewerten – z.B. Angst, Wut, Eifersucht, Trauer – sie haben alle eine Daseinsberechtigung und kommen aus guten Gründen vor, sie sind sogar wichtig für uns). Es geht viel mehr um das, wie wir mit ihnen umgehen und dass wir nicht ewig an ihnen festhalten und uns nicht in negativen Gedanken verstricken (ACHTUNG! Gedanken sind nicht gleichzusetzen mit Gefühlen!). Gefühle kommen und gehen wie sie wollen, wir können sie nicht groß beeinflussen. Deshalb ist es so so wichtig, sich wegen ihnen kein schlechtes Gewissen einzureden. Und genau das können wir mit unseren Gedanken kontrollieren. Wir sind unseren Gedanken nicht hilflos ausgeliefert, wir können sie positiv beeinflussen, sobald sie in unser Bewusstsein treten. Wenn wir beispielsweise wütend oder eifersüchtig sind, ist das total legitim. Hilfreich ist es, diese Gefühle zu erkennen. Wir müssen nicht mal herausfinden woher sie kommen, manchmal können wir das auch gar nicht. Es ist auch nicht wichtig, das zu wissen. Es reicht schon, wenn wir uns unserer Gefühle bewusst werden. Meistens geht es uns nämlich gar nicht aufgrund unserer Gefühle, sondern wegen der Gedanken, die wir uns über sie machen, schlecht. Wenn wir mal so richtig traurig sind, das zulassen und ein bisschen weinen, gehts uns meistens schon etwas besser. Auf jeden Fall besser, als wenn wir uns die ganze Zeit fragen, warum wir traurig sind und uns darüber ärgern, dass wir es sind. Wenn uns das passiert, ist es einfach praktisch ein Mantra zu haben, das die Gedanken aus dem Abwärtsstrudel reißt und wieder in kontrollierbare Gewässer bringt. Am besten funktioniert das, wenn wir uns ein individuelles Mantra ausdenken. Die richtig guten Mantras sind (für mich zumindest) die kurzen. Ein kleiner Satz, der uns an etwas wichtiges erinnert. Oder Sätze, die man sonst gerne von anderen hört. Das soll letztendlich alles auf Selbstbefürwortung hinführen, denn leider sind wir noch nicht so weit, dass wir genügend durch andere bestärkt werden. Ich hab mir mal ein paar Beispiele überlegt, die mir persönlich guttun.

Ich bin schön. Meine Gefühle sind gut. Ich bin wertvoll. Ich muss mich für nichts rechtfertigen. Ich bin genug. Ich bin stolz auf meine Erfolge. Ich leiste genug. Ich bin liebenswert.

Wenn es zu schwierig für uns ist, uns das in solchen Situationen selbst zu sagen, können wir auch einfach andere bitten, das für uns zu tun. Oft schenken wir den Worten anderer sowieso mehr Glauben und Bedeutung, als unseren eigenen.

Wenn es mehr darum geht auch andere Gewohnheiten, die euch nicht guttun abzulegen und neue Gewohnheiten zu schaffen, kann ich euch einen tollen Kalender empfehlen. Es gibt ihn in verschiedenen Ausführungen, könnt ihr euch über den Link hier anschauen.

Ein guter Plan – „Die wichtigsten Bücher in deinem Leben sollten über dein Leben sein.“

Ich benutze diesen ganzheitlichen Kalender jetzt seit Anfang des Jahres und er hat mir geholfen, viele meiner Ziele zu erreichen und meine Gewohnheiten dauerhaft umzuschreiben. Mit seiner Hilfe habe ich es geschafft, meine Ernährung umzustellen, jeden Tag mindestens zwei Liter Wasser zu trinken, regelmäßig Sport zu treiben und einfach über mein eigenes Leben bescheid zu wissen und es besser zu reflektieren. Jeden Tag habe ich mich selbst überprüft und geschaut, ob ich die Ziele, die ich mir gesetzt habe erreicht hab. Jede Woche habe ich mir einen ausgewogenen Plan für die Arbeit, Aufgaben Zuhause und aktive Freizeitgestaltung gemacht. Und am Ende jeden Monats habe ich zurückgeblickt und aufgeschrieben, was gut lief, was ich gelernt habe, was ich erreicht habe und wofür ich dankbar war. Durch den Kalender, habe ich mir so angewöhnt mich zu reflektieren, dass mir erst vor kurzem aufgefallen ist, dass mich das ganze zu sehr unter Druck setzt. Ich kontrolliere mich seitdem nicht mehr täglich so extrem, benutze den Kalender aber trotzdem noch, um zu planen. Außerdem habe ich weiterhin jeden Abend das kleine Ritual, wenigstens einmal kurz den Tag auf mich wirken zu lassen und aufzuschreiben wie ich mich fühle. Mir ist auch aufgefallen, dass ich es jetzt (trotz nicht mehr ganz so intensiver Nutzung des Kalenders) schaffe, meine neu integrierten Gewohnheiten beizubehalten. Ich habe also eine Struktur geschaffen, die es mir erleichtert, meine Ziele zu erreichen. Allein deswegen hat sich der Kalender gelohnt. Obwohl ich an jede*n da draußen appelliere, sich nicht zu sehr an solche Pläne zu klammern, sondern stattdessen nicht so hart mit sich zu sein, sich Ausnahmen zu gestatten und zu vertrauen, dass man trotzdem alles schafft und dass es sogar in Ordnung ist, wenn nicht.

Anna die Ananas

Beton + Ananas + Multiplikation + Fliegen + Baumkrone = Gute Geschichte????? Na das kann doch gar nicht gut gehen oder? Aber doch! Wart ihr auch so gefesselt von dieser spontanen Geschichte über Anna die Ananas? Anastasia ist offenbar ein richtiges Improvisationstalent. Was sie noch besser kann, sind Verabschiedungen. Hier sind die Top 15 der absurdesten Verabschiedungen mit denen wir euch heute auf Wiedersehen sagen wollen.

  1. Bis denne Antenne!
  2. Ciao Kakao!
  3. Ciao miau!
  4. Ciao wauwau!
  5. Bis Spätersilie!
  6. San Frantschüssco!
  7. Bis Baldrian!
  8. Tschö Cordon Bleu!
  9. Bis Dennis!
  10. Tschüsseldorf!
  11. Tschüssli Müsli!
  12. Bis Denva!
  13. Wirsing!
  14. Hauste rein Brian!
  15. Bis Danzig!

Machts besser und bis zum nächsten Gral!

Luise & Team